Pan-Islamismus

Die erste populäre pan-islamistische politische Bewegung, die Khilafat-Bewegung (1919-1924), entstand in Indien nach dem Ersten Weltkrieg, obwohl die Unterstützung für das Kalifat lokal unter indischen Muslimen in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts an Dynamik gewonnen hatte. Indische Muslime, die unter britischer Besatzung lebten und sich der glorreichen Tage der Mogul-Herrschaft bewusst waren, richteten ihre spirituellen und später politischen Sehnsüchte auf den verbleibenden Sitz der unabhängigen muslimischen Herrschaft: das osmanische Kalifat. Nachdem das Osmanische Reich nach dem Ersten Weltkrieg in Trümmern lag und das Amt des Kalifen, des Kalifats, vom Aussterben bedroht war, organisierten sich indische Muslime, um das zu bewahren, was viele als letzte Spur islamischer Einheit und Macht ansahen. 1919 beriefen Aktivistengruppen wie die Vereinigung der Diener der Ka’ba und der Rat der All-India Muslim League eine Khilafat-Konferenz ein, bei der die Bewegung offizielle Form als All-India Central Khilafat Committee annahm.

Die Politik der Khilafat-Bewegung war eindeutig antiimperialistisch und für die Unabhängigkeit, was für die Unterstützung der Bevölkerung über muslimische Konfessionsgrenzen hinweg in Indien und in der gesamten muslimischen Welt verantwortlich ist. Aktivisten innerhalb der Bewegung verbreiteten ihre Botschaft durch Veröffentlichungen im In- und Ausland. Delegationen wurden nach England, Frankreich und in die Schweiz entsandt, um die öffentliche Haltung und Regierungspolitik in Bezug auf das Kalifat und die Zukunft muslimischer Gesellschaften zu gestalten. Am Ende waren es jedoch nicht die europäischen Führer, sondern die neuen Führer der Türkei, die das Schicksal der Bewegung bestimmten, indem sie einen säkularen Weg für die Nation einschlugen, der auf einer eng gefassten ethnischen Identität beruhte — ein Weg, der die europäischen Nationalismen widerspiegelte — und dann das Amt des Sultans 1922 und das des Kalifen 1924 abschafften. Die Khilafat-Bewegung protestierte gegen die Aktionen der Türkei, aber ohne die Macht, ihren Willen durchzusetzen, und mit der Beseitigung ihres Existenzgrundes war die Bewegung in den späten 1920er Jahren allmählich aus der Öffentlichkeit verschwunden. Der Panislamismus in Indien spielte jedoch weiterhin eine Rolle im muslimischen kulturellen und politischen Leben, insbesondere in den kommunalen Debatten, die 1947 zur Bildung Pakistans führten.

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